Tipps gegen Stress beim Hund zu Silvester

Silvester – die wenigsten Hundebesitzer verfallen beim Gedanken an Silvester in Partylaune. Viele von uns Hundebesitzer denken stattdessen an den Hund, der sich hechelnd und zitternd in einer finsteren Ecke verkriecht.

Da meine Hündin panische Angst vor Silvesterkracher hat, habe ich schon seit acht Jahren nicht mehr zu Silvester gefeiert. Die Angst meiner Hündin lässt sich leider nicht wegtherapieren, trotzdem kann ich ihr durch ein paar Maßnahmen das Leben rund um Silvester zumindest ein wenig erleichtern.

Welche Maßnahmen geeignet sind, hängt grundsätzlich ganz von der Stärke der Angst (von leichten Hecheln bis hin zu Erbrechen) ab. Deshalb musst du als Hundebesitzer selber herausfinden, welche der von mir vorgeschlagenen Maßnahmen für deinen Hund passend sind.

  • Leine deinen Hund an den Tagen rund um Silvester sicherheitshalber nicht ab! Auch ein bisher angstfreier Hund könnte sich beim plötzlichen Losgehen eines Knallers in der Nähe erschrecken und flüchten.
  • Wähle an den Tagen rund um Silvester möglichst knallerfreie Spazierwege abseits vom Trubel in Städten und Siedlungen.
  • Wenn beim Spaziergang Knaller losgehen und der Hund in großen Stress verfällt, gehe nach Hause (auf schnellstem Weg). Falls du, wie ich, einen Hund hast der panisch bei Knallern reagiert, hat es keinen Sinn zu versuchen, weiter draußen zu bleiben. Die Angst des Hundes wird nicht abschwellen, sondern nur verstärkt. Außerdem verliert der Hund das Vertrauen zu dir, wenn du ihn in so eine Situation reinzwingst.
  • Wenn es knallt: Selber ruhig bleiben. Nicht hektisch werden. Stimmungsübertragung ist ein nicht außer Acht zu lassender Faktor.
  • Falls der Hund Kontakt sucht, ihm diesen auch bieten! Wenn der Hund von sich aus Nähe sucht, bitte gib dem Hund auch diesen Schutz und diese Sicherheit. Es kursiert noch immer das Gerücht, dass man den Hund ignorieren soll, damit sich dessen Angst nicht verstärkt. Wenn dein Kind in der Nacht weinend zu dir kommt und meint es wäre ein Monster unter dem Kinderbett, ignorierst du es doch auch nicht. Du beruhigst es, schaust gegebenenfalls selber unter das Bett um bestätigen zu können, dass sich auch wirklich kein Monster versteckt und sollte das alles nicht helfen, bietest du deinem Kind vielleicht sogar an sich zu dir ins Bett kuscheln zu dürfen, oder? Bleibe auch bei deinem Hund der Fels in der Brandung, bleibe ruhig und gelassen und lege oder setze dich, falls notwendig, zu deinem Hund. Wenn du selber Ruhe ausstrahlst, tut deinem Hund die Zuwendung in so einer Situation gut.
  • Wenn sich dein Hund zurückziehen möchte, gebe deinem Hund die Möglichkeit sich in einem Rückzugsort zu verkriechen, sei es unter dem Bett, im Keller usw. Viele Hunde bevorzugen in solchen Situationen „überdachte“ Rückzugsorte, wie z.B. ein Bett zum drunter kriechen. Ideal wäre schon Monate vorher den Hund an eine Box zu gewöhnen. Falls er die Box wirklich mit Sicherheit und Wohlbehagen verknüpft hat, wird er wahrscheinlich diese als Rückzugsort nutzen.
  • Lasse deinen Hund am Silvesterabend nicht alleine und nehme in nicht mit auf die Straße.
  • Füttere deinen Hund Silvester schön. Falls dein Hund nur leichte bis mittlere Angst beim Knall empfinden und noch Leckerlis aufnehmen sollte, lasse Leckerlis zum Knallzeitpunkt springen. Du verstärkst damit nicht die Angst deines Hundes und belohnst ihn auch nicht für die Unsicherheit, sondern du holst deinen Hund damit aus dem Jammertal heraus. Somit kann der Hund vielleicht sogar, das Knallen mit etwas positiven verbinden. Am besten wäre, wenn der Hund bei den Knallgeräuschen mit Suchen und Sammeln beschäftigt ist. Das Gehirn kann nicht gleichzeitig logisch denken und starke Emotionen empfinden. Das Leckerlisuchen und Aufnehmen beruhigt und hält Angst und Irritation möglichst lange in Schacht. Du kannst deinem Hund auch besonders schwer zu kauende und harte Leckerbissen geben, damit es in den Ohren deines Hundes schön kracht.
  • Schließe zu Silvester deine Jalousien, Vorhänge ect. Das Aufdrehen des Radios kann ebenfalls sinnvoll sein.
  • Bei Hunden mit großer Angst kann es nützlich sein, sich vor Mitternacht ins Auto zu setzen und auf der Autobahn zu fahren. Meine Hündin fühlt sich im Auto in dieser Situation zumindest ein bisschen wohler. Die Knallgeräusche sind ebenfalls gedämpft und Knaller gehen meist ein Stückchen entfernt von der Autobahn los.
  • Medikation ist kritisch zu betrachten. Wichtig: Keine Selbstmedikation. Es gibt Beruhigungsmittel, welche lediglich die Muskeln entspannen aber kaum angstlösend sind. Die Einnahme von solchen Medikamenten kann dazu führen, dass der Hund traumatisiert ist und die Silvesterangst ist dann noch wesentlich größer. Wenn notwendig, sollte für die Medikation nur mit einem auf Verhaltenstherapie spezialisierten Tierarzt erfolgen. Dies kann in Extremfällen hilfreich sein.
  • Wenn du eine Therapie mit Hilfe einer Geräusch-CD versuchen möchtest oder mit deinem Hund konditionierte Entspannung (Hund lernt sich auf Signal hin zu entspannen) lernen möchtest, so kontaktiere eine(n) kompetente(n) HundetrainerIn.

Leider ist die Angst vor Geräuschen meist nicht völlig abtrainierbar. Meine Hündin ist das beste Beispiel dafür. Die Angst hat sich über die Jahre, trotz gezielter Maßnahmen, nicht verringert. Oft nimmt die Angst mit steigendem Alter zu (wie auch bei uns Menschen). Mithilfe von Training und Entspannung sollte aber versucht werden, die Silvestersituation für den Hund ein wenig erträglicher zu machen.

Auf einen entspannteren Jahreswechsel!

Deine Sigrid Amon von der love your dog Hundeschule in Ardagger, Bezirk Amstetten