Mein Hund interessiert sich nicht für mich während des Spaziergangs! Wie du die Aufmerksamkeit bekommst! TEIL 1

Hier, in diesem Beitrag, erfährst du, WARUM manche Hunde ihr Frauli/Herrli kaum wahrnehmen bzw. ihm/ihr kaum Aufmerksamkeit schenken. Im nächsten Beitrag (welcher in den nächsten Tagen erscheinen wird) erfährst du dann, WAS du tun kannst, damit dein Hund auch während des Spaziergangs aufmerksam und kommunikationsbereit ist.

Wer kennt das nicht? Der Hund läuft frei, man selber entschließt sich den Heimweg anzutreten und kehrt um. Aber… der Hund läuft unbeirrt weiter und merkt einige Zeit nicht, dass man selber schon lange die entgegengesetzte Richtung einschlägt. Oder: der Hund schnüffelt interessiert am Wegesrand. Man gibt den Hund ein Sitz-Signal und was macht der Hund? Weiter schnüffeln.

Klar ärgerst du dich und überlegst dir, warum dein Hund einfach nicht reagiert. Keine Angst, dein Hund ist nicht dominant, frech oder aufmüpfig. Er schafft es in dem Moment einfach nicht die Aufmerksamkeit dir zu schenken.

Auch wir Menschen neigen oft dazu, unsere Aufmerksamkeit nicht umlenken zu können. Ganz ehrlich, mir passiert das recht oft. Zum Beispiel, wenn ich meine derzeitige Lieblingsserie „Big Bang Theory“ gucke, mich dabei bestens über Sheldons pedantische Angewohnheiten amüsiere und plötzlich ruft mein Freund aus der Küche: „Weißt du, ob wir irgendwo noch eine Packung Kaffeebohnen haben?“. Die Frage nehme ich gar nicht richtig wahr. Da muss sich mein Freund schon vor den Fernseher stellen, damit ich mit Sicherheit reagiere 😉

Je interessanter die Umwelt (Hund: zB verschiedenste Gerüche, ich: Big Bang Theory im Fernsehen), desto schwieriger ist es die Aufmerksamkeit umzulenken.

Warum fällt vielen Hunden Aufmerksamkeit uns gegenüber soooo schwer?

  1. Aufmerksamkeit ist sehr wichtig um Gefahren rechtzeitig erkennen zu können und somit das eigene Überleben zu sichern. Je höher der emotionale Gehalt einer Information, welche ins Gehirn eintrudelt, desto eher wird diese Information verarbeitet. Selbstverständlich ist, dass mögliche Gefahren sowie Unbekanntes als erstes im Gehirn verarbeitet werden. Stell dir vor, du besuchst einen Zoo und plötzlich bemerkst du, dass das Tor zwischen dir und dem Löwen im Gehege geöffnet ist. Der Löwe steht direkt vor dem geöffneten Gehegeausgang und schaut in deine Richtung. Und plötzlich fragt dich dein Begleiter, welcher die brenzlige Situation noch nicht bemerkt hat: „He, hast du vielleicht ein Taschentuch für mich?“. Glaubst du, dass du die Frage in dieser Situation mitbekommst? Neeeee… Dein Gehirn konzentriert sich jetzt nur auf die Gefahr, Stresshormone werden in Sekundenschnelle in deinem Körper ausgeschüttet, damit dein Körper möglichst gut für Kampf oder Flucht vorbereitet ist. Lange Rede, kurzer Sinn: Wenn dein Hund Angst hat oder mit Unbekanntem konfrontiert ist, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er deine Anredeversuche gar nicht wirklich wahrnimmt.

  1. Dem Hund fällt es viel einfacher seine Aufmerksamkeit jenen Dingen zu schenken, welche seine Bedürfnisse befriedigen können. Ein Hund der jagdlich recht interessiert ist und gerade ein Reh beobachtet, wird auch nicht einfach mir nix dir nix Platz machen können. Die Information „Reh“ wird vorrangig im Gehirn verarbeitet. Das Signal Platz wird gar nicht wahrgenommen. Das Bedürfnis Jagen wäre hier einfach zu groß.
  1. Manche Hunde lernen das andere Ende der Leine auszublenden, weil sich die Aufmerksamkeit dem Menschen gegenüber einfach nicht lohnt. Dies kann daher rühren, dass die Kontaktversuche vom Besitzer für den Hund an Relevanz verlieren (umgangssprachlich: geht zum einen Ohr rein, zum anderen Ohr wieder raus) oder, dass der Besitzer draußen beim Spaziergang eigentlich eher als Spaßbremse wahrgenommen wird („Komm her“, „Nein“, „Aus“, „Hör auf“, „Pfui“, „Sitz“ und so weiter zB während der Hund gerade einen superinteressanten Geruch gefunden hat). Wie würden andere Menschen dich wahrnehmen, wenn du immer nur gegen alles bist 😉

Aufmerksamkeit und Ansprechbarkeit deines Hundes ist eines der wichtigsten Dinge. Nur so kannst du deinen Hund sicher durch den Alltag führen, ihn auf Distanz kontrollieren und deinen Hund auch die nötige Freiheit geben, die er braucht. Das heißt, wenn dein Hund aufmerksam und ansprechbar dir gegenüber während dem Spaziergang ist, steigt die Lebensqualität nicht nur von dir (weniger ärgern), sondern vor allem auch von deinem Hund, weil du ihm viel mehr Freiheiten geben kannst.

Im nächsten Beitrag (erscheint in den nächsten Tagen) erfährst du, wie du die Kommunikationsbereitschaft und die Kooperation deines Hundes fördern kannst! Dabei habe ich 4 Punkte zusammengetragen, welche wichtig sind, damit dein Hund beim Spaziergang aufmerksamer und ansprechbarer dir gegenüber wird.  

Bis zum nächsten Mal! Deine Sigrid Amon von der love your dog Hundeschule in Ardagger, Bezirk Amstetten!